Duo Serpentina

„VON KLIPPE ZU KLIPPE GEWORFEN" - Texte von Friedrich Hölderlin zum 175. Todestag

Klavier: Anna Köbrich (Aus den Preludes von Claude Debussy und Robert Schumanns Gesänge der Frühe)

Rezitation: Andreas Ulich

Ungestüme Leidenschaft, Empfindungen der Sehnsucht, der überschwänglichen Freude und der Verzweiflung bekommen an diesem Abend Ton und Stimme.  

Das Leben des Dichters Friedrich Höl­derlin (1770-1843) ist seinen Deutern selten gleichgültig gewesen. Hölderlin erscheint als Beunruhigung, Provokation, Skandalon und Gegenstand der Bewunderung, ja der Identifikation.

Hölderlin wollte ein Dichter sein, dessen Poesie niemals als In­strument zu einer bürgerlichen Karriere dienen sollte, sondern Möglichkeit sein wollte, das Höchste menschlicher Erkenntnis in Worte zu fassen. Hölderlin verstand sich als Dichter, der keine Versöhnung des Harmonisch-Entgegengesetzten suchte, sondern Wort­paare wie "traurigfroh" und "heiligtrunken" stehen lassen konnte, weil in ihnen die Spannung des Absoluten, des Göttli­chen aufschien. "Hölderlins Größe liegt in seiner Sprache, bis zum Äußersten aufgeladen und gespannt in der Anstrengung, altgriechisches Versmaß und Denken ins Deutsche zu bringen" (Denis Scheck).

„Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahrelang ins Ungewisse hinab.“ (Hölderlin, Hyperion)

 

Foto: Christina Heurig