Karl Bruckmaier

OBI ODER DAS STREBEN NACH GLÜCK

Eine spannende Reise in einen Mikrokosmos, der sich zwar unverstellt vor unseren Sinnesorganen spreizt und breitmacht, aber gleichzeitig unsichtbar bleibt, weil er nicht erkannt werden kann. Weil sich unsere Augen bisher weigern zu sehen.

In Deutschlands Provinzen findet sich an jeder Straßenecke eine praktizierende Ästhetik des Widerstands gegen das Geschmacksdiktat der Eliten.

Die Menschen dort, denen die Gebote des guten Geschmacks oft nichts bedeuten, denen die Erkenntnisse von Architektur und Kunsthistorie suspekt sind, denen Machbarkeit, Preis und Schnelligkeit Werte an sich sein können, kombinieren sich munter aus den Materialien, die der Baumarkt bietet, und den Bildern, die man aus Urlaub oder Vorabendserie so kennt, eine Welt, wie sie ihnen gefällt.

Aus Pop wurde Waschbeton … cool.

Geranien, Ytong-Steine und Plastik-Rehkitze verleiten Bruckmaier zu einer Tirade zwischen Liebeserklärung und Rant. Denn genau diese Geranien und Plastik-Rehkitze sind "nicht einfach schlechter Geschmack, sondern ein gereckter Mittelfinger gegen das ästhetische Diktat der Eliten", meint Bruckmaier. Für ihn ist diese Elite der urbane aufgeklärte Beobachter, Menschen, die aus Berlin, Düsseldorf oder München in die Provinz ziehen, weil sie es dort schön finden und weil es billig ist. "Da entsteht ein gewisses Spannungsfeld, aber auch eine Art von passiv-aggressiven Verhalten", sagt Bruckmaier. Sein Buch sei kein Best of der Provinzscheußlichkeiten, sondern eher der Versuch zu zeigen, wie ein Großteil der Bundesrepublik Deutschland lebe und was so vielen Deutschen gefalle.

Karl Bruckmaier moderiert seit vielen Jahren musikjournalistische Sendungen im Bayerischen Rundfunk (Club 16, Zündfunk, Nachtmix). Seit 1981 schreibt er Pop-Kritiken für die Süddeutsche Zeitung. In einem anderen Leben ist der Autor und Übersetzer auch noch reichlich dekorierter Hörspielregisseur, u. a. ausgezeichnet mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Deutschen Hörbuchpreis.